August-Heinrich-Schule Bellheim

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Mit Leselust auf Klassenfahrt

Lesen lohnt sich, Reisen bildet

Sieger im Wettbewerb „Mit Leselust auf Klassenfahrt“

 

Die Klasse 9b der August-Heinrich-Hauptschule in Bellheim nahm am Wettbewerb „Mit Leselust auf Klassenfahrt“ des Literaturbüros Mainz teil. Zusammen mit ihrer Deutschlehrerin vertieften sich die Schülerinnen und Schüler in das von ihnen ausgewählte Buch und gewannen den Hauptpreis beim großen Lesequizfinale am 18. Juni 2010 in Mainz. Das Preisgeld konnte die Klasse gut für ihre Abschlussfahrt gebrauchen.

Die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse der August-Heinrich-Hauptschule in Bellheim im Landkreis Germersheim planten ihre Abschlussfahrt. Bei aller Vorfreude auf eine Reise in die bayerische Landeshauptstadt München stellte sich erst einmal die Frage der Finanzierung. Da kam den Jugendlichen und ihrer Lehrerin Daniela Gadinger ein Flyer zu Hilfe. Dieser war vom Literaturbüro Mainz, das für seinen Wettbewerb „Mit Leselust auf Klassenfahrt“ warb. Das vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz unterstützte Projekt wird seit 2003 ausgeschrieben und soll in der Altersgruppe bis zum 16. Lebensjahr Leseanreize schaffen und auf neue, spannende Jugendbücher aufmerksam machen. Bei diesem Wettbewerb gibt es ein Preisgeld in Höhe von bis zu 500 Euro zu gewinnen, das – wie der Titel des Wettbewerbs aussagt – für eine Klassenfahrt eingesetzt werden sollte. Die Aussicht darauf machte eine Teilnahme für die Schülerinnen und Schüler der 9b besonders reizvoll.

„Meine Schülerinnen und Schüler waren felsenfest davon überzeugt, dass sie gewinnen“, erinnert sich die Deutschlehrerin. „Ich musste die Euphorie etwas dämpfen.“ Denn zunächst einmal galt es, überhaupt unter die besten fünf rheinland-pfälzischen Schulen zu kommen und sich für die Endausscheidung am 18. Juni 2010 im Frankfurter Hof in Mainz zu qualifizieren.

„Es ist ein Feingefühl entstanden“
Dazu mussten die teilnehmenden Klassen – mehr als 70 Klassen aller Schulformen und aus allen Regionen hatten sich in diesem Jahr angemeldet – zunächst aus einer Vorschlagsliste von fünf Jugendbüchern eines auswählen. Dieses galt es, im Klassenverband sorgfältig durchzulesen, um dann einen Fragebogen zu beantworten, der an das Literaturbüro geschickt wurde. Dort suchte man die fünf besten Schulen für das Finale in Mainz aus.

Daniela Gadinger wurde von ihrer Klasse bereits bei der Buchauswahl positiv überrascht. „Ich hatte einen Favoriten unter den fünf vorgeschlagenen Büchern, von dem ich hoffte, dass die Kinder ihn wählen würden. Ich habe allerdings meine Meinung nicht verraten. Auch ohne mein Zureden hat die Klasse sich einstimmig für den Roman ‚Simpel’ entschieden.“

„Simpel“ von Marie-Aude Murail erzählt von einem 22-Jährigen, der mit seinem Stoffhasen spricht, mit Playmobil spielt und noch nicht richtig zählen kann. Simpel leidet an Autismus. „In einer Parallelklasse lernte ein autistischer Junge – daher das Interesse meiner Klasse an diesem Stoff“, erklärt die Lehrerin. „Durch das gemeinsame Lernen mit solchen Kindern ist ein Feingefühl entstanden. Das ist das Schöne an unserer Schwerpunktschule.“

Schwerpunktschule erhöhte die Toleranz und Hilfsbereitschaft
Seit dem Schuljahr 2005/2006 ist die August-Heinrich-Schule Schwerpunktschule. Auch Schulleiter Michael Schlick sieht den Vorzug dieser Veränderung in der sich entwickelnden Toleranz der Kinder und Jugendlichen, für die es nun ganz normal ist, mit Mitschülerinnen und Mitschülern zu lernen, die über punktuelle Defizite verfügen und manchmal irrationale Verhaltensweisen an den Tag legen. „Besonders toll ist es, dass sich alle gegenseitig helfen“, meint Michael Schlick. Als der autistische Schüler einmal gehänselt wurde, hätten sofort Mitschülerinnen und Mitschüler für ihn Partei ergriffen und ihn verteidigt.

Der Rektor weiter: „Bevor wir Schwerpunktschule wurden, konnten wir schlecht einschätzen, welche Kinder da zu uns kommen würden. Unsere Vorstellungen waren auf jeden Fall reichlich übertrieben, denn bereits äußerlich unterschieden sich die Schülerinnen und Schüler nicht von unseren Regelschülern. Die Förderschülerinnen und -schüler genossen es, in einer Regelschule zu lernen und akzeptiert zu werden. Für unser Kollegium waren wiederum die Förderlehrerinnen und -lehrer ein Gewinn.“

Noch begeisterter ist Michael Schlick indes von der Organisation seiner Schule als Ganztagsschule. „Die ist ein großer Erfolg, ein absoluter Renner, auf den wir sehr stolz sind. Als unsere Schule 2005/2006 Ganztagsschule wurde, war das ein wichtiger Schritt nach vorn für unsere Schülerinnen und Schüler, für die Eltern aber auch für uns Lehrerinnen und Lehrer. Die Arbeitszufriedenheit ist in der Ganztagsschule gewachsen.“

Leistungen verbessern sich durch Förderunterricht
Damals startete die Schule mit nur 25 Kindern im Ganztagsbetrieb, bis es dann 2007/2008 ganz offiziell als Ganztagsschule in Angebotsform weiter ging. Im aktuellen Schuljahr 2010/2011 lernen von 203 Schülerinnen und Schüler 147 in der Ganztagsschule.

„Unsere Intention für die Einführung der Ganztagsschule war damals klar: Die Schule ist eine wichtige Säule in der Entwicklung der Kinder und die Schule leistet wichtige Lehr- und Erziehungsarbeit. Aber dann darf diese Arbeit nicht abrupt um 13 Uhr enden. Wir benötigen dafür auch den Nachmittag“, ist der Schulleiter überzeugt. Für viele Mütter und Väter sei es darüber hinaus aus Gründen der Berufstätigkeit unverzichtbar, dass sich ihre Kinder um diese Zeit in der Schule aufhalten könnten. „Ich sehe die Bildung aber auch ganz klar als eine Schwerpunktaufgabe unseres Staates, der dies nicht den kostspieligen Nachhilfeinstituten überlassen darf. Zumal ich zu behaupten wage, dass wir es besser können, denn wir kennen ja die Stärken und Schwächen unserer Schülerinnen und Schüler ganz genau.“

Gerade die Hauptschule müsse viele Lerndefizite der Kinder beheben. Deshalb nutzt die August-Heinrich-Schule die zusätzliche Zeit besonders für Förderunterricht am Nachmittag: Ganztagsschülerinnen und -schüler, bei denen die Lehrkräfte Defizite erkannt haben, erhalten eine zusätzliche Förderstunde in Deutsch, Mathematik, Englisch oder Deutsch als Zweitsprache beziehungsweise Türkisch. „Das muss gar nicht für ein ganzes Jahr sein, sondern kann auch punktuell erfolgen“, erläutert Schlick. „Manche Kinder sind zunächst nicht so begeistert von der Aussicht, statt in der Fußball-, Musik- oder in der Schach-AG hier teilzunehmen. Aber dann erkennen sie sehr schnell das Plus dieser Maßnahme. Inzwischen können wir eindeutig belegen, dass sich die Leistungen von Schülerinnen und Schülern durch den Förderunterricht verbessert haben.“

Enger Kontakt zu den Eltern
Die Förderung schließt auch deshalb so nahtlos an den Vormittagsunterricht an, weil die Lehrerinnen und Lehrer in der Hausaufgabenbetreuung und in den Förderstunden beschäftigt sind. „Ausnahmslos alle Kolleginnen und Kollegen engagieren sich in der Ganztagsschule. Alle ziehen mit, das ist hier noch nie ein Thema gewesen“, erklärt der Schulleiter. Auch beim Mittagessen in der 2008 neu erbauten Mensa sind die Lehrkräfte dabei. Das von der Küche des benachbarten Seniorenheims angelieferte Essen nehmen 129 Kinder und Jugendliche wahr. „Ein Teil der Kinder kennt weder manche Lebensmittel, noch Tischsitten. Wir können diese Kultur gut vermitteln, aber dazu braucht es manchmal viel Energie der Kolleginnen und Kollegen.“

Doch laut Michael Schlick werden alle Erwachsenen durch ihr Engagement belohnt: „Wir gewinnen einen positiven Zugang und eine größere Nähe zu den Kindern. Der Respekt vor den Lehrerinnen und Lehrern wächst ebenso wie die gegenseitige Wertschätzung.“ Durch diese Nähe gelänge es auch schneller als früher, Probleme außerhalb der Schule wahrzunehmen und mit den Eltern zu besprechen. „Wir melden uns sofort bei den Eltern, wenn etwas anliegt“, erklärt der Rektor, „aber nicht, um den Finger zu heben, sondern um gemeinsam eine Lösung zu finden. Zum Glück haben wir einen engagierten Elternrat, der die Ganztagsschule voll unterstützt und auch schon so manche Eltern davon überzeugt hat, dass dies auch für ihr Kind das Beste wäre.“

Klasse gewinnt „Mit Leselust auf Klassenfahrt“
Auch Daniela Gadinger spürte die Wertschätzung ihrer Schülerinnen und Schüler, als sie bereits hoch schwanger mit ihnen am 18. Juni 2010 nach Mainz zum Finale des „Leselust“-Wettbewerbs fuhr: „Die Kinder waren rührend um mich besorgt.“

Nach Einsendung des Fragebogens war die Klasse tatsächlich unter die letzten Fünf gekommen, zusammen mit den Neuntklässlern der Realschule Plus Eich, des Koblenzer Gymnasiums auf dem Asterstein, der Hermann-Gmeiner-Realschule in Mendig und der Realschule Plus Rheinzabern. Noch einmal lasen die Schülerinnen und Schüler „Simpel“, um gut vorbereitet zu sein, und wählten zwei Jugendliche aus, welche die Klasse als Kandidaten auf der Bühne vertreten sollten.

Im Frankfurter Hof in Mainz musste die Klasse in zehn Fragerunden nach dem Prinzip der Fernsehquiz-Show „Wer wird Millionär?“ Fragen mit Antwortoptionen zum Roman und der Autorin beantworten. In Anwesenheit von Bildungsministerin Doris Ahnen moderierte die SWR-Redakteurin Domenica Berger das Quiz. Die Schülerinnen und Schüler der August-Heinrich-Schule schlugen sich hervorragend und gewannen wie die Schüler aus Koblenz und aus Mendig die Höchstsumme von 500 Euro für ihre Klassenkasse. Die Schecks über die Gewinnsummen überreichte Doris Ahnen.

Der Jubel war groß – die Klasse 9b hatte es tatsächlich geschafft. Den Sieg münzte man in einen viertägigen abwechslungsreichen Aufenthalt in München um, bei dem unter anderem das Fußballstadion des FC Bayern München, die Bavaria Filmstudios und das ehemalige Konzentrationslager in Dachau besichtigt wurden. Reisen bildet – und Lesen lohnt sich!

Autor: DZ Online-Redaktion - Ralf Augsburg (Quelle: Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz)